Reizregulierung (Formales Lernen) Teil 3

Möglichkeiten des Aufbaus

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Der „Abruf aus Reizsituationen als motiviertes Spiel“ setzt eine zuverlässige Grunderziehung des Hundes voraus. Die vier Eckpfeiler „Leinenführigkeit“, „Freifolge“, „Platz aus der Bewegung“ und „Freiablage“ sind bereits in formaler Form erarbeitet worden. Ohne dieses Fundament im formalen Lehrbereich ist es nur schwer möglich, den „Abruf aus dem Spiel“ für den Hund nachvollziehbar und konfliktfrei auszubilden.

Der Hundehalter legt seinen Hund ins „Platz“, entfernt sich rund zwanzig Meter von ihm und stellt sich seitlich zu ihm hin. Den Motivationsgegenstand hält er in seiner Hand, sein Arm ist ausgestreckt. Auf das Rückrufsignal kommt der Hund in rasantem Tempo auf seinen Halter zugerannt. Sobald der Hund auf der Höhe seines Halters ist, lässt dieser die Beute fallen und ruft dabei das Kommando „Platz“, das der Hund sofort ausführt, ohne das Spielzeug zu greifen. Das muss korrekt funktionieren, bevor einen Schritt weitergegangen werden kann.
Der Hund sitzt in Grundposition, sein Halter entfernt sich zwei Meter zur rechten Seite. Dann wirft er den Motivator rund vier Meter nach vorne und stellt sich zu seinem Hund zurück. Das Kommando „Lauf“ und unmittelbar danach das Kommando „Platz“ folgen. Wieder hat der Hund die Beute nicht zu beachten und sich sofort ins „Platz“ zu legen.
In einem letzten Schritt wird der Motivator nicht nur vier Meter, sondern rund dreißig Meter weit geworfen. Abermals erfolgt nach dem Kommando „Lauf“ das Abbruchsignal. Kooperiert der Hund, darf er zum Abschluss der Arbeit die Beute greifen, zum Hundehalter zurückbringen und sie dort auf das Kommando „Platz“ ausgeben.

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Für diejenigen Hunde, die an der Beute nicht interessiert sind, wird der Lernschritt in der zweiten Variante über den Halter ausgeführt. Im Aufbau ist es dabei von Vorteil, wenn eine Hilfsperson das Training unterstützt.
Der Hund wird in der Grundposition ins „Platz“ gelegt. Der Hundehalter entfernt sich rund fünfzig Meter, dreht sich dann um und steht seinem Hund gegenüber. Die zweite Person stellt sich hinter den Halter und hält ein Schlauchstück in der Hand. Sobald der Hund mit dem Abrufsignal gerufen worden ist, wirft die Hilfsperson das Schlauchstück über den Hundehalter auf eine Distanz von rund zehn Metern. Trifft der Schlauch auf dem Boden auf, gibt der Hundehalter das Kommando „Platz“. Der fallende Schlauch stoppt den Hund und unterstützt den Befehl zusätzlich, da er diese Vorgehensweise mit dem Sozialen Lernen verknüpft. Der Hund hat sich sofort hinzulegen, darf die vor ihm liegende Beute nicht fassen und hat die Distanz zu seinem Halter zu wahren.

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Zeigt der Hund diesen Ablauf zuverlässig, schnell und fehlerfrei, kann zur korrekten Ausführung des Lernziels ohne Hilfsperson übergegangen werden.

Reizregulierung (Formales Lernen) Teil 2

Hunde mit weniger Beutetrieb

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Nun gibt es Hunde, die an einem Beutespiel nicht interessiert sind. Sie denken gar nicht daran, dem Spielzeug nachzulaufen, und lösen sich auch nicht von ihrem Halter. Für diese Teams gibt es eine zweite Möglichkeit, die Abrufbarkeit aus einer erhöhten Trieblage heraus zu testen.

Die Arbeit beginnt auch in der zweiten Variante in korrekter Grundstellung. Ein Spielgegenstand wird nicht benötigt. Das Kommando „Sitz“ gibt dem Hund an, dass er sich in seiner Position ruhig zu verhalten hat, während sich sein Halter von ihm entfernt. In einer Distanz von rund dreißig Metern bleibt der Hundehalter stehen und dreht sich zu seinem Hund um, der ihn genau beobachtet hat und ihm mit seinem Blick stets gefolgt ist. Gespannt wartet der Hund auf das Rückrufsignal, das ihm erlaubt, seinem Halter zu folgen. Freudig läuft der Hund ihm entgegen. Hat er rund zehn Meter zurückgelegt, wird er ins „Platz“ gerufen, darf sich also nicht mehr weiter nähern und muss ruhig liegen bleiben. Hund und Halter trennt ein Abstand von fünfzehn bis zwanzig Metern. Mit stiller Freude kehrt der Hundehalter zu seinem Hund zurück, stellt sich zu ihm auf die linke Seite, erteilt ihm die Erlaubnis, sich zu setzen, und beendet die Arbeit, indem er mit ihm den Platz ruhig verlässt.

Reizregulierung (Formales Lernen) Teil 1

Abruf aus allen Reizsituationen als motiviertes Spiel, kurz Abruf aus dem Spiel

Zugegeben, die Bezeichnung „Abruf aus dem Spiel“ kann irreführend sein, weil sie auf den ersten Blick vermuten lässt, dass damit das erfolgreiche Zurückrufen des Hundes aus einem ausgelassenen Spiel mit Artgenossen gemeint ist – ein Wunschziel, das viele Hundehalter gerne erreichen möchten. Das Lernziel „Abruf aus allen Reizsituationen als motiviertes Spiel“ ist jedoch ein technisches Trainingselement, das nichts mit dem Spiel mit Artgenossen zu tun hat, wohl aber die Beziehung und das Vertrauen einer Mensch-Hund-Partnerschaft sehr gut veranschaulicht und sich bei einem seriösen Trainingsaufbau durchaus auch positiv auf den Rückruf aus einem Spiel mit Artgenossen auswirken kann.

Die nachfolgende detaillierte Beschreibung des Ablaufs verdeutlicht, welche Anforderungen an Mensch und Hund gestellt werden. Der formale Lernschritt „Abruf aus Reizsituationen als motiviertes Spiel“ setzt bei beiden Partnern eine hohe Konzentrationsfähigkeit, viel Geschick und ein gutes Reaktionsvermögen voraus. Ist das Team nicht schon bestens aufeinander eingestimmt und das Soziale Lernen als Grunderziehung noch nicht abgeschlossen, sollte der Lernschritt nicht trainiert werden, denn zu schnell könnten sich Fehler einschleichen, sogenannte „Brückenkonflikte“ wären die Folge.

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Lernziel
Mit einer intensiven Animation wird der Hund in Spiellaune gebracht. Das Interesse des Hundes soll auf den an der rechten Schulter erstellten Spielgegenstand fixiert werden. Eine kurze, motivierende Spielphase, die mit freudiger Stimme unterstützt wird, bringt den Hund in Spannung, weckt seine Aufmerksamkeit und seinen Beutetrieb. Durch die gefestigte Grunderziehung genügt dem Hund eine Motivationszeit von wenigen Augenblicken, um sich sofort auf die vor ihm liegende Arbeit zu konzentrieren. Während dieser kurzen Motivationseinheit wird dem Hund der Gegenstand nicht überlassen, um seine positive Erwartungshaltung weiter zu steigern.

Die Einstiegsphase beginnt und endet in der korrekten Grundposition. In der nun folgenden Ausführung des Lernziels achtet der Hundehalter darauf, dass er zwischen jeder seiner Handlungen eine Wartezeit von fünf Sekunden einhält.

Der „Abruf aus allen Reizsituationen“ als motiviertes Spiel beginnt in der korrekten Grundstellung
Der Hundehalter geht zehn Meter nach rechts, wobei sein Hund ruhig am Ausgangspunkt sitzen bleibt. Mit dieser Übung kann zugleich geprüft werden, ob der Hund das ruhige Sitzen trotz hoher Erwartungshaltung konfliktfrei und richtig verknüpft hat.

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Nachdem der Hundehalter den Spielgegenstand rund zwanzig bis dreißig Meter weit geworfen hat, geht er zurück zu seinem Hund, der immer noch ruhig sitzt und sich auf seinen Halter konzentriert. Aus dieser Position wird der Hund jetzt mit dem Kommando „Lauf“ freigegeben und in die Richtung des Gegenstands losgeschickt. Ohne zu zögern, rennt der Hund auf die Beute zu. Nachdem er zehn Meter zurückgelegt hat, erfolgt das Kommando „Platz“. Der Hund unterbricht sofort seinen Lauf und legt sich hin. Er hat durch seine fundamentale Erziehung gelernt, dass dieses Abbruchsignal in jedem Fall auszuführen ist, auch wenn sich die Beute in unmittelbarer Reichweite befindet oder noch bewegen sollte. Er ist also in der Lage, seine Triebe zu koordinieren und durch die verbale Unterstützung zuverlässig zu kontrollieren. Er vertraut der Führung seines Halters.

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Der Hundehalter lässt seinen Hund sodann im „Platz“ liegen, geht alleine auf den Spielgegenstand zu, nimmt ihn auf, erstellt ihn an der rechten Schulter und geht zurück zu seinem Hund. Dieser verhält sich auf seinem Platz immer noch ruhig und wartet, bis er im Sitz angenommen, angeleint und ruhig wegführt wird.

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Komfort-Insel: In der Ruhe liegt die Kraft.

Welpen-Erziehung Teil 2

Einem Welpen sollten nur die Zugeständnisse in seinem Verhalten gemacht werden, die auch bei einem erwachsenen Tier akzeptiert werden, und zwar allein zum Wohle des Hundes, denn alles, was er nicht kennt, wird er auch nicht vermissen. Neben dem Aufbau von Vertrauen und der Einführung der Hausordnung kann in der achten bis zwölften Lebenswoche schrittweise damit begonnen werden, den Welpen an das Alleinsein zu gewöhnen. Hat er im Vorfeld den ihm zugewiesenen Platz akzeptiert und fühlt sich dort wohl und geborgen, wird ihm dieser Lernprozess nicht allzu schwer fallen. In der Ausgabe 02/11 des Schlegel Magazins wurde unter dem Thema Tischarbeit bereits ausführlich beschrieben, wie einem Welpen erfolgreich und zuverlässig die Positionen Sitz, Platz und Steh auf dem Trainingstisch und das Wartenkönnen beigebracht werden. Sobald der Welpe diese Lernziele auf dem Tisch erreicht hat, wird mit der Bodenarbeit begonnen. Als Hilfsmittel werden eine fünf Meter lange Welpenleine und eine Decke für die Geruchsidentifikation in der Freiablage benötigt. weiterlesen

Welpen-Erziehung Teil 1

Vor kurzem rief eine Dame bei Hans Schlegel auf dem Wolfsprung an und klagte völlig aufgelöst, dass ihr zehn Wochen alter Welpe sie, wann immer er könne, beiße. Die gute Frau hatte alles befolgt, was ihr gesagt worden war: Sie hatte eine Woche im Schlafsack auf dem Boden verbracht, damit sich der Kleine nicht allein fühlte. Bereits in der zweiten Nacht hatte dem kleinen Hund diese Nähe nicht mehr gereicht, und das Spiel endete im Schlafsack. Seit dieser Zeit fordert der Welpe, wann immer er Lust hat, seine Halterin auf, etwas mit ihm zu unternehmen – mit Erfolg. Nun ist sie sein Spielball – und wird auch entsprechend von ihm behandelt. weiterlesen

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