Formen der Konditionierung in der Hundeausbildung

Das richtige Ziel als Grundlage des Erfolgs anerkennen!

Bei der Zielklarheit sollten Sie beachten, dass es nicht nur darauf ankommt, sich Ziele zu setzen, sondern es sollten auch die „richtigen“ sein, denn es gibt richtige und falsche Ziele.
Ziele sollen sowohl Ihnen als auch Ihrem Hund Freude und Spass machen und die Stärken und Schwächen von Ihnen beiden berücksichtigen. Wenn Sie alle Eigenschaften und Anlagen in Betracht gezogen haben, treffen Sie die Entscheidung für das richtige Beschäftigungsmodell.

Ein richtiges Ziel ist für Sie das, was mit Ihnen übereinstimmt. Zudem sollten Sie darauf achten, dass Ihre Ziele miteinander im Einklang stehen und sich nicht gegenseitig behindern oder gar aufheben, was nicht selten der Fall ist. Wenn Sie sich zum Beispiel als Ziel setzen, einen ruhigen, gelassenen Familienhund zu haben, können Sie nicht gleichzeitig Ihren Hund mit jedem fremden Hund ausgelassen toben lassen oder formal auslasten. Zuerst muss ein stabiles Fundament (Soziales Lernen = Hundeerziehung) gebaut werden.

Sie erkennen ein für Sie „stimmiges“ Ziel auch daran, dass es Ihnen die Kraft zu seiner Verwirklichung gibt. Es löst bei Ihnen und damit auch bei Ihrem Hund „Begeisterung“ aus, die Sie sicher ans Ziel bringt, und liefert die Kreativität, die Sie zu Ihrer Zielverwirklichung brauchen. Prüfen Sie daher sorgfältig, welche Ziele Ihr Leben reicher und lebenswerter machen. Bedenken sollten Sie dabei immer folgendes: Egal, ob Sie meinen, es zu können oder nicht, Sie behalten in beiden Fällen recht!

Was ist unter Konditionierung zu verstehen?

Unter Konditionierung versteht man in der behavioristischen (verhaltenswissenschaftlichen) Lernpsychologie das Erlernen von Reiz-Reaktions-Mustern. Grundlage dieser Lerntheorie ist die Annahme, innere Vorgänge wie Gefühle und Gedanken niemals wissenschaftlich untersuchen zu können, das sogenannte Black-Box-Modell. Man unterscheidet zwei Grundtypen der Konditionierung: die klassische Konditionierung, die ausgelöstes Verhalten betrifft (der lernende Organismus hat keine Kontrolle über den Reiz oder seine Reaktion) und die instrumentelle bzw. operante Konditionierung, die ursprünglich spontanes Verhalten betrifft, das je nach wahrgenommener Konsequenz zielgerichtet wird.

Die klassische Konditionierung

Lernen durch klassische Konditionierung wurde erstmals von Iwan Petrowitsch Pawlow beschrieben und seither unzählige Male experimentell repliziert. Pawlow beobachtete zufällig, dass einige der Hunde, mit denen er experimentierte, um Näheres über die Speichelsekretion herauszufinden, schon vor Beginn des Experimentes Speichel absonderten. Eine genauere Betrachtung ergab, dass dies nur bei jenen Hunden auftrat, die schon länger im Labor waren und den Ablauf der Experimente kannten. Dieser Speichelfluss konnte daher nicht auf den Geruch oder den Anblick des Futters zurückgeführt werden, sondern musste eine andere Ursache haben. Um das zu analysieren, ließ Pawlow in einem Versuch zeitgleich mit dem Vorsetzen von Futter einen Glockenton ertönen. Nach einigen Wiederholungen floss der Speichel bei diesen „Pawlowschen Hunden“ beim Glockenton, obwohl kein Futter gegeben wurde.
Nach ausreichend häufiger gemeinsamer Darbietung (Kontiguität) wurde der vorher neutrale Reiz (= Glockenton) durch Assoziation zu einem bedingten Reiz, der alleine fast dieselbe Reaktion
(= Speichelfluss) auslösen kann wie der unbedingte Reiz (= Futter), mit dem er gekoppelt wurde. Aus der unbedingten Reaktion
(= Speichelfluss) auf das Futter wurde eine bedingte Reaktion auf den Glockenton.

Die instrumentelle bzw. operante Konditionierung

Bei der instrumentellen oder auch operanten Konditionierung wird die Häufigkeit von ursprünglich spontanem Verhalten durch seine angenehmen oder unangenehmen Konsequenzen nachhaltig verändert.
Die Verhaltensweise kann dem natürlichen Repertoire entstammen oder aus natürlichem Verhalten abgeleitet sein. Durch positive oder negative Verstärkung wird die Auftretenswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens erhöht oder verringert. Die Erforschung begann mit den Experimenten von Edward Lee Thorndike am Ende des 19. Jahrhunderts. Besonders verdient gemacht hat sich auch Burrhus Frederic Skinner, der ab den 1950er Jahren intensiv auf diesem Gebiet forschte.
In beiden Konditionierungsarten auftretende Lerneffekte sind Extinktion, Reiz-Generalisierung und Reiz-Diskriminationslernen.

Extinktion

Den Lernprozess, nach dem die bedingte bzw. instrumentelle Reaktion nicht mehr gezeigt wird, bezeichnet man als Extinktion. Dabei handelt es sich weder um Vergessen noch um Verlernen, sondern um ein zusätzliches Lernen, das die Wirkung des bedingten Reizes vorübergehend und kontextabhängig außer Kraft setzt.

Reiz-Generalisierung

Wenn eine (klassisch oder operant) konditionierte Reaktion auf einen bestimmten Reiz gelernt worden ist, kann es vorkommen, dass ähnliche Reize die gleiche Reaktion auslösen. Dabei gilt: Je ähnlicher der Neureiz dem konditionierten Reiz ist, desto stärker werden die Reaktionen ausfallen. Paradigmatisch sind das die Motivprogramme, die sich verlagern können, wenn sie nicht exakt verankert werden. Der Hund „A“ hat seine (konditionierte) Angst vor Radfahrern kontinuierlich auch auf Motorräder, Autos, Lastwagen und Jogger ausgedehnt. Hat Hund „B“ zum Beispiel Angst vor dem Tierarzt, kann er diese Angst auch auf Menschen, die weiße Kittel tragen, sofern der Hund eine geruchliche und somit verbindliche Identifikation herstellen kann, übertragen (generalisieren).

Reiz-Diskriminationslernen

Das Reiz-Diskriminationslernen stellt das genaue Gegenteil zur Reiz-Generalisierung dar. Nach diesem Lernprozess ist der Hund in der Lage, zwei Reize voneinander zu unterscheiden. Die konditionierte Reaktion tritt nur bei exakt den Reizen auf, die in der Lernsituation mit der Reaktion gekoppelt wurden. Ein Beispiel aus „Hund und Familie“ könnte sein, dass der Hund eine sehr differenzierte bedingte Angstreaktion dem Mann der Familie gegenüber zeigt, wenn häufiger nur dieser schimpft, jedoch keine generelle Angst vor männlichen Erwachsenen hat. Dieses Phänomen wird oft in der Wahrnehmung zu sehr verallgemeinert. Darum der Ausdruck: „Mein Hund hat Angst vor Männern.“

Der erste Schritt – die Ursachenanalyse

 

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