Motivprogramm – Selbsterfahrung – Konfrontation nach Hans Schlegel

Die Sprache des Herzens – versus druckknopfgesteuerte Denkpraxis in der Hundeerziehung

Wer permanent auf seinen Hund guckt, hat kein Selbstvertrauen, er kontrolliert und kommuniziert seinem Hund, dass er ihm nicht vertraut. Wer permanent und über lange Zeit seinen Hund reglementiert, hat die Grundsätze einer Beziehung noch nicht begriffen.

Das heisst auch, die Motive der Verhaltensänderung sind in den wichtigsten Details nicht erkannt – und somit verkümmern die wahren Erfolgsfaktoren zu einem weiteren Modewort, der sogenannten Teamanalyse. Für eine fundamentale Analyse braucht es mehr Hintergrundwissen, als die blosse Feststellung, dass ein Hund nicht erzogen ist. Es braucht mehr Fingerspitzengefühl als das Vermitteln technischer Prozessabschnitte wie Hausordnung, Leinenarbeit, Distanzkontrolle, Triebregulierung und Inseltraining. Jeder Lernabschnitt braucht die energetische Unterstützung. Nonverbale, vertrauensvolle und vor allem positive Grundstimmungen.

Die Sprache des Herzens

Der Austausch auf der Gefühlsebene kommt von Herzen und führt direkt in die Seele des Hundes. Jeder Mensch besitzt diese Gabe, nur sind sich viele ihrer nicht bewusst. Ihnen bleibt der mentale Zugang zum Hund verwehrt, weil ihnen einerseits der Glaube an sich selbst fehlt oder sie andererseits nicht offen genug für eine ganzheitliche Beziehungsform sind. Mangel, Wünsche und Hoffnung, Wurst und andere Lockmethoden sind stattdessen ihre Begleiter bei der Erziehung ihrer Hunde – zumindest so lange, bis sie merken, dass die unzähligen Trainingsstunden genau dann nicht greifen, wenn beispielsweise eine Katze über die Wiese rennt. Hunde haben ein feines Gespür für Energien, die der Mensch über seine Gedanken, Stimmungen und Gefühle aussendet. In der Hundeerziehung spielt deshalb die nonverbale Kommunikation eine ebenso bedeutsame Rolle wie die formale gesprochene Sprache. Die Möglichkeiten der mentalen Kommunikation kennenzulernen, kann ein unheimlich faszinierendes Erlebnis für Menschen sein. Die Emotionen Freude und Enttäuschung liegen zwar auf gleicher Ebene, ihre Frequenzen schwingen jedoch unterschiedlich und gehen entweder in Resonanz oder auf Distanz. Wichtig in der Mensch-Hund-Beziehung ist einzig die Erkenntnis, dass jeder Mensch die Fähigkeit besitzt, mental, also „aus dem Bauch heraus“ mit Lebewesen zu kommunizieren. Die Intuition, die nicht bei jedem Menschen gleich stark ausgeprägt ist, kann bewusst geschult werden.

Die Selbsterfahrung

Wenn ein Hund beim Spaziergang jede Person, die er entdeckt, freudig anspringt, dann macht er eine sogenannte Selbsterfahrung – drei Selbsterfahrungen führen zu einem neuen Programm, das in diesem Fall lautet: „Menschen sind zum Anspringen da!“ Die Angesprungenen reagieren darauf ganz unterschiedlich: Einige nehmen es gelassen, die meisten werden jedoch richtig „sauer“, und das zu Recht. Solche Selbsterfahrungen machen Hunde in allen trieblich gesteuerten Prozessen, sei es beim Jagen von Katzen, Raufen, Hetzen von Wild oder Radfahrern u.v.a.m. Wichtig ist, dass jedem Hundehalter bewusst ist, dass sein Hund, wenn er dreimal die gleiche Situation in seinem Sinne entscheiden konnte, ein neues Programm hat. Um aus diesem Fehlprogramm herauszukommen, braucht es zuerst ein neues Motiv. Alle neuen Motive ergeben ein Motivprogramm, die eine Desensibilierung des alten Verhaltens auslösen – ein Phänomen, das die heutige Kynologie immer noch nicht verstanden hat und auch nicht anzuwenden versteht. Was Motivprogramme genau auslösen und wie sie funktionieren, wird bei jeder Wesens- und Ursachenanalyse individuell beleuchtet und mit dem Hundehalter ausführlich besprochen. Die Motivprogramme ergeben das Programm für einen erfolgreichen Prozessverlauf.
Um störendes Verhalten umzuprogrammieren, müssen folgende Lernziele bereits erreicht sein:
–    Es besteht eine konfliktfreie Mensch-Hund-Beziehung
–    Der Hund beherrscht das „ruhige Sitzen“
–    Der Hund akzeptiert seinen Partner Mensch als Leader
In den meisten Fällen muss an der Beziehung als Grundlage gearbeitet werden, bevor störende Verhaltensänderungen neutralisiert werden können.

Die gezielte Konfrontation

Unter gezielter Konfrontation wird die bewusst herbeigeführte Begegnung des Hundes mit einem Außenreiz verstanden. Beliebt hierfür ist die Übung „Liebe Nachbarin“: Der Hund entdeckt die liebe Nachbarin und wird unruhig. Im Gegensatz zu seinem Hund bleibt der Halter ruhig und gelassen und führt ihn mittels der Distanzkontrolle dem Reiz entgegen. Auf eine Entfernung von zehn Metern kommandiert er seinen Hund ins „Sitz“ und wartet neben ihm, während die Nachbarin auf ihn zukommt. Dann geht er auf sie so zu, dass zwischen ihm und seinem ruhig sitzenden Hund eine Distanz von etwa drei Metern entsteht. Er begrüßt die Nachbarin und wechselt ein paar Worte mit ihr. Begrüßung und Wortwechsel sollten zu Beginn der Ausbildung nicht länger als drei Minuten dauern. Anschließend verabschiedet er sich von ihr und kehrt zu seinem Hund zurück. Sollte dieser sich in der Zwischenzeit hingelegt haben, ist das kein Fehler, denn ein ruhender Hund nimmt die Platzposition ein – und Ziel dieser Übung ist ja, dass der Hund zur Ruhe kommt. Wenn er sich hingelegt hat, gibt der Hundehalter ihm das Kommando „Sitz“, wartet fünf Sekunden und setzt seinen Spaziergang fort. Diese Übung sollte mindestens siebenundzwanzig Mal wiederholt werden, damit das Lernziel neu verankert ist und der Hund keine Personen mehr anspringt und belästigt. Er wird danach allen Reizsituationen sehr ruhig begegnen.

Die kontrollierte Konfrontation

Die kontrollierte Konfrontation bezeichnet die Absicherung des Hundes aus der Bewegung. Das heißt, der Halter geht zunächst mit seinem Hund auf den Reiz zu, befiehlt ihn dann aus der Bewegung heraus ins „Platz“, setzt seinen Weg auf den Reiz, ohne seine Gangart zu unterbrechen, fort und umgeht diesen einmal im Gegenuhrzeigersinn. Abermals ohne die Gangart zu unterbrechen oder zu verändern, geht der Halter direkt zu seinem Hund zurück, wartet dort fünf Sekunden, nimmt ihn ins „Sitz“, wartet wieder fünf Sekunden und führt den Spaziergang anschließend fort. Der Hund wird beim Zurückkehren nie gelobt, da am Anfang immer eine Restspannung vorhanden ist. Bei einem Lob könnte er ausbrechen und sein selbstbelohnendes Triebziel ansteuern. Die vom Hundehalter angebotene Bewegung ist als Lob anzusehen.
Wenn sich später wieder einmal ein Fehler einschleicht, kann dieser mit der „kontrollierten Konfrontation“ stets aufs Neue neutralisiert werden.

Bei allen Übungen stellt die vom Hundehalter neu- bzw. wiedergewonnene innere Sicherheit den größten Einfluss- und Erfolgsfaktor dar. Die Konfrontationsformen sind lediglich technische Absicherungen des Lernziels.

Der erste Schritt ist die umfassende Wesensanalyse

 

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