Nach der Insel kommt die Freiablage

Der richtige Aufbau der Freiablage

Ist das Inseltraining beendet folgt der richtige Aufbau der Freiablage.Die Freiablage, ist ein weiteres, formales Element in der Grundausbildung des Hundes. Sie ist neben der Leinenführigkeit, der Freifolge, dem ruhigen Sitzen und dem Platz aus der Bewegung eine der wichtigsten Schlüsselstellen! Ein Lernziel, das konsequent in Umweltsituationen gepflegt werden sollte.

Lernzielpflege bedeutet, dass der Hundehalter bewusst handelt und sich nicht von Emotionen leiten lässt, vor allem dann, wenn der Hund versucht, aufzustehen oder nach vorne zu roppen. Ein Hund in der Freiablage bleibt auf dem Platz, an dem er abgelegt worden ist, so lange liegen, bis er von seinem Halter wieder dort abgeholt wird. Mit dem Lernziel ist nicht etwa seine zugewiesene Ruhestelle im Haus gemeint, sondern es geht um das Ablegen neben einem Kinderspielplatz, in einem Gartenrestaurant oder an einer Grillstelle. Die Freiablage ist in vielen Alltagssituationen sehr hilfreich. Ein ausgebildeter Hund kann auch unter starker Ablenkung bis zu einigen Minuten in der Freiablage ruhig und gelassen liegen bleiben, ohne seinen Platz zu verlassen. Im Gegenteil, die Freiablage gibt dem Hund die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, vor allem wenn Kinder heftig miteinander spielen. Die Voraussetzung für diese Übung ist das gefestigte Inseltraining.

Action pur

Kinder klettern auf einen Holzturm, rutschen fröhlich eine Rutschbahn hinunter, rennen zu einer Schaukel und bauen Burgen aus Sand. Aufmerksam werden sie von ihren Müttern beobachtet, die es sich derweil auf einer Parkbank gemütlich machen. Eine Rücksichtnahme auf solche Mitmenschen verlangt, dass einem Hund der Zugang zum Spielplatz verwehrt bleibt, auch wenn er noch so kinderlieb ist, denn es gibt viele Kinder und auch erwachsene Menschen, die sich gestört fühlen, wenn Hunde mitspielen – vielleicht haben diese Menschen auch Angst vor Hunden.

Ein Hundehalter, der seinem Nachwuchs das Spiel mit anderen Kindern zugestehen möchte, kann seinen Hund dabei nur an einer geeigneten Stelle in die Freiablage bringen. Die Freiablage sollte unterschiedlich lange, im Einzelfall bis zu dreissig Minuten durchgesetzt werden. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass auch der hektischste Hund nach rund dreißig Minuten das Gefühl für Zeit verliert und zur Ruhe kommt. Im Ruhezustand kann er nicht mehr zuordnen, ob er, nach menschlichem Ermessen, eine halbe oder eine ganze Stunde gelegen ist. Einzig das natürliche Bedürfnis „Gassigehen“ lässt ihn wieder unruhig werden.

In jeder Freiablage kann es vorkommen, dass der Hund mit alltäglichen Außenreizen wie Spaziergängern, Fahrrädern, Katzen oder Artgenossen konfrontiert wird. Diese Reize soll er ignorieren und gelassen liegen bleiben. Wenn er sich bedrängt fühlt oder es ihm zu „bunt“ wird, darf der Familienhund zwar ausweichen, sollte sich dann aber aus eigenem Antrieb in einer für ihn sicheren Umgebung wieder hinlegen. Dieses Lernziel ist sehr anspruchsvoll und kann nur erfolgreich abgeschlossen werden, wenn es korrekt und lückenlos aufgebaut wird.

Umkreisungen immer im Uhrzeigersinn beginnen

Der korrekte Aufbau beginnt in der Grundstellung. Der Hund ist angeleint (80 cm lange Führleine) und konzentriert sich auf seinen Halter. In der Grundstellung wird die Leine abgemacht und in die rechte Jackentasche gesteckt. Auf das Kommando „Platz“ legt sich der Hund sofort hin.
Zum Verständnis: Im Gegensatz zum „ruhigen Sitzen“, bei dem der Hundehalter die Leine bestimmt und überzeugend zu Boden wirft, wird sie in der Freiablage abgenommen.

Nach einer Wartezeit von fünf Sekunden beginnt der Hundehalter, seinen Hund im Uhrzeigersinn zu umkreisen. Zuerst sind es nur kleine Kreise von bis zu zehn Metern, die dann immer größer werden und am Ende einen Durchmesser von bis zu fünfzig Metern haben dürfen. Der Hundehalter bleibt in unregelmäßigen Abständen in der Bewegungsrichtung (auf fünfundvierzig Grad) wie beim „ruhigen Sitzen“ still stehen, wartet bis zu drei Minuten und geht dann wieder weiter. Der Hund bleibt die ganze Zeit liegen, während sich sein Halter um ihn herum bewegt.

Bald wird der Hund beginnen, seinem Halter mit dem Blick zu folgen und jede seiner Bewegungen zu beobachten. Dann tritt beim Hund plötzlich wirkliche Ruhe ein: Er legt seinen Kopf auf den Boden, atmet tief durch und beginnt zu dösen. Genau das ist die Ausgangslage der Freiablage: ruhig und beharrlich zu kreisen, bis der Hund sich von allein völlig entspannt hat.

Als Nächstes geht der Hundehalter von vorne, wie beim „ruhigen Sitzen“, direkt zurück zu seinem Hund. In einer Entfernung von rund sechs Metern bleibt er stehen und wartet fünf Sekunden. Obwohl sich der Hund nun über das Wiedersehen freut, soll er auch in diesem Moment ruhig liegen bleiben. Der Hundehalter kehrt im flotten Schritt zu seinem Hund in die Grundstellung zurück, wartet wieder fünf Sekunden und kommandiert ihn ins „Sitz“. Nach einer weiteren Wartezeit von fünf Sekunden wird der Hund angeleint und in Ruhe weggeführt.

Sollte der Hund während dieses ganzen Ablaufes aufstehen, geht sein Halter in zügigem Tempo auf ihn zu, dann aber an ihm vorbei und bringt ihn ein paar Meter zurück. Er legt ihn nicht auf seinen Platz zurück, denn dann würde der Hund durch die Geruchsidentifikation des vorherigen Platzes die Rückorientierung dieses Geruchsfeldes durch den Hundehalter als Lob empfinden und sofort wieder aufstehen. Bei der Neuablage ist wichtig, dass sie kommentarlos ausgeführt wird – der Hund wird ruhig wieder ins „Platz“ kommandiert, bevor mit dem ganzen Ablauf von Neuem begonnen wird.
Dieser komplette Durchgang wird während einer Trainingseinheit oder Spaziereinheit maximal drei Mal wiederholt. Sobald das Lernziel fehlerfrei funktioniert, kann mit dem Umkreisen im Gegenuhrzeigersinn (Konfrontation) angefangen werden, ohne eine weitere Veränderung im Ablauf vorzunehmen.


Bei der Wahl des Trainingsorts sind zwei Dinge zu beachten: Zum einen sollte gewährleistet sein, dass der Hund wirklich frei abgelegt werden kann und in einem Umkreis von fünfzig Metern um ihn herum keine Begrenzung durch eine Mauer, ein Gebüsch oder ähnliches vorhanden ist. Zum anderen ist es empfehlenswert, sich bereits im Aufbau der Freiablage für wenige Augenblicke außer Sichtweite des Hundes zu begeben. So lernt er von Anfang an, dass der Mensch immer wieder zu ihm zurückkommt, auch wenn er ihn nicht sehen kann. Bei nassem und kaltem Wetter sollte, wie bereits erwähnt, für dieses Training eine Decke mitgenommen werden, auf der der Hund die Freiablage absolviert. Für kurzhaarige Hunde ist dies generell empfehlenswert.

Mit der Freiablage ist die Grundausbildung abgeschlossen

Mit der Erarbeitung der Freiablage steht die Grundausbildung des Hundes nun auf vier starken Eckpfeilern, die es seinem Halter ermöglichen, ihn konfliktfrei in die Gesellschaft einzugliedern. Der Hund ist jetzt in jeder Situation führ- und lenkbar geworden. Leinenführigkeit, Freifolge, Platz aus der Bewegung und Freiablage sind die wichtigsten Elemente, die in der heutigen Zeit zur Erziehung eines jeden Familienhundes gehören sollten. Die vier Eckpfeiler bilden zugleich die Basis für alle Sport- und Gebrauchshunde, unabhängig davon, in welche Richtung sie später ausgebildet werden.

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