Therapeutisches Lernen am 1. August 2017 in Gansingen

Therapeutisches Lernen für geräuschempfindliche Hunde am 1. August in Gansingen

Gewitter, Feuerwerk, Gewehrschüsse und lautes Knallen können bei Tieren großen Stress auslösen. Viele Hunde reagieren auf dröhnende Geräusche, indem sie sich winselnd unter ein Möbelstück verkriechen oder verstört in der Wohnung herumirren und der misslichen Lage zu entkommen versuchen. Die Angst kann zu unberechenbaren und unhaltbaren Handlungen führen und sich, wenn nichts gegen sie unternommen wird, verstärken und zu einer starken Belastung für Mensch und Tier werden.

Panikverhalten lindern

Ängste können durch ein einschneidendes, negatives Erlebnis von einem Tag auf den anderen auftreten oder über Jahre hinweg wachsen. Die Geräuschempfindlichkeit kann aber auch bei älteren Hunden plötzlich ohne gravierenden Grund auftreten. Für die Therapeuten ist deshalb vorrangig genau zu klären, ob es sich bei den Reaktionen um ein störendes Verhalten oder um eine Verhaltensstörung handelt. Störende Verhalten können durch einfache Desensibilisierungsmaßnahmen positiv umgelenkt werden. Pathologische Fälle, die glücklicher Weise sehr, sehr selten vorkommen, müssen zunächst einem Tierarzt vorgestellt werden, der untersucht, ob das Tier gesund ist. Danach erfolgt eine gezielte Bewegungstherapie mit anschließender Desensibilisierung. Wichtige Voraussetzung für eine solche Therapie ist, dass der Coach jahrelange praktische Erfahrung im Umgang mit sensiblen und anspruchsvollen Hunden hat. Wie das Panikverhalten entstanden ist, spielt bei der Behandlung des Problems keine wesentliche Rolle, weil einzig die Erkennung, der Auslöser den erfolgreichen Therapieverlauf bestimmt. Viel wichtiger ist, dass der Hundehalter Verhaltensänderungen bei lauten Geräuschen seines Hundes frühzeitig erkennt, es ernst nimmt und gewillt ist, etwas dagegen zu unternehmen. Mitleid ist dabei ein schlechter Ratgeber, denn dieses Gefühl hindert den Menschen, den Hund zu stärken, selbst Ruhe zu bewahren und Vertrauen zu vermitteln. Viele Hundehalter können mit der Angst ihres Hundes nicht umgehen, sind überfordert und fühlen sich allein gelassen.
Es ist für den betroffenen Hundehalter oft schwer zu ertragen, wenn sein Hund zittert. Es stimmt ihn traurig, wenn das Tier hechelt und er ihm nicht helfen kann. In die angsterfüllten Augen seines Hundes zu sehen, macht ihn hilflos. Wer seinem Hund helfen will, muss bereit sein, ihn auch mit beängstigenden Situationen zu konfrontieren, wobei das sensible und sanfte Heranführen an eine Reizsituation sehr wichtig ist. Dabei muss der Hundehalter sich selbst so gut unter Kontrolle haben, dass er die Ruhe bewahren kann, auch wenn das Tier zusehends nervöser wird. Einem geräuschempfindlichen Hund kann nur durch den Aufbau von innigem Vertrauen geholfen werden.

Natürliche Störquellen

Feuerwerk gehört traditionsgemäß zum Beispiel zum Nationalfeiertag des Schweizer Volkes. Die Störquellen an einem solchen Tag sind zwar provokativ, jedoch echt. Die Unregelmäßigkeit macht den Ton der Musik, die sonst nie in dieser unbefangenen Form nachsimuliert werden kann. Da Geräuschkassetten wenig helfen, gilt auch hier, so nah wie möglich an der Quelle zu arbeiten. Den 1. August nahm deshalb Schlegeltraining® im schweizerischen Gansingen zum Anlass, geplagten Hundehaltern und ihren verängstigten Hunden im Rahmen eines Workshops die Möglichkeit zu geben, den Tag in der Gruppe durchzustehen, anstatt sich in der Wohnung zu verkriechen oder gar ins nahe Ausland zu flüchten.

Ausgangssituation – grosser Leidensdruck

Bei der Anmeldung des schon lange ausgebuchten Lehrganges haben die Teilnehmer die Reaktionen des Hundes und das eigene Empfinden auf Papier gebracht:

„Es ist schön, zu sehen, dass ich mit dem Problem nicht allein bin und es auch andere Hunde gibt, die sich bei einem Gewitter in der Badewanne hinter dem Duschvorhang verkriechen“, meinte eine der Teilnehmerinnen gleich zu Beginn des Workshops.

Eine andere Teilnehmerin erzählte: „Fiola, unsere kleine Tervuerenhündin, ist sehr ängstlich, was unserer Meinung nach ihre Lernfähigkeit stark beeinträchtigt. Ihre Angst vor lautem Knallen äußert sich durch Zittern, sie verweigert alles und verkriecht sich. Beim letzten Jahreswechsel hat dieser Zustand tagelang angehalten.
In letzter Zeit war ich ziemlich verzweifelt, doch dieser Tagesworkshop gibt mir ein unheimlich gutes Gefühl. Ich bin gespannt, wie Fame heute Abend reagieren wird, wenn die Knallerei losgeht. Vermutlich wird sie wieder erschrecken, doch diese Hilflosigkeit, die in solchen Situationen immer da war, spüre ich jetzt nicht. Ich gehe ganz zuversichtlich in den heutigen Abend.“

„Ich fühle mich im Moment sehr wohl und denke, dass uns dieser Tag sehr gut tun wird“, sagte ein anderer Teilnehmer, während er seinen Golden Retriever sanft zwischen den Augen streichelte. „Leider habe ich nicht immer die Chance, so viel Zeit zu haben, um ihn durch jeden Angstzustand intensiv begleiten zu können. Am schwierigsten sind Situationen, in denen er bei Unwettern allein zuhause ist. Er will dann raus, und das mit allen Mitteln. Dabei beschädigt er vielfach Teile der Wohnungseinrichtung. Auf lange Sicht ist das finanziell nicht tragbar. Der Tierarzt hat mir geraten, ihn einer Dauerbehandlung mit Medikamenten zu unterziehen, wovor ich aber zurückschrecke, solange es noch andere Wege gibt.“

Sicherheit vermitteln

Die Grundidee des Workshops ist, die Hunde an diesem Tag zu einer innerartlichen Gruppe zusammenzuführen, in der jedes einzelne Tier sowohl von seinem Halter als auch und vor allem von integrierten, starken Hunden von Hans Schlegel Sicherheit erfährt. Die Desensibilisierung eines Hundes innerhalb eines Rudels hat eine positive und nachhaltig therapeutische Wirkung auf das Verhalten des einzelnen Tieres. Ganz wichtig dabei ist aber, dass der Mensch sich für eine solche Aufgabe genügend Zeit nimmt – das Vertrauen muss über Stunden aufgebaut werden, um dann im entscheidenden Moment als Stütze dienen zu können.

Mit einem motivierenden Apportierspiel werden die Hunde zuerst gelöst und positiv eingestellt. Dann werden sie in drei Gruppen aufgeteilt, in denen sie sich frei bewegen und gegenseitig kennenlernen können, denn die Gruppendynamik muss stimmig sein. Die richtige und harmonische Zusammensetzung der Gruppe ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Desensibilisierung.

Energien fließen lassen

Verspannungen des Hundes werden über gezielte Akupressur-Techniken und ruhige Streichbewegungen beim Tier gelöst und neutralisiert. Dabei wird der Hund an ganz sensiblen Energiepunkten berührt, was sich angenehm und stresshemmend auf ihn auswirkt. Er entspannt sich dabei völlig, legt sich auf die Seite und schläft im Idealfall sogar ein. Dieses vertrauensvolle Geben und Nehmen zwischen Mensch und Hund ist eine sehr ruhige Arbeit, bei der nicht gesprochen wird – hektische Kommandos wären deplatziert. Die Kommunikation fließt ausschließlich über die Intuition, also über Gedanken und Sinneswahrnehmungen. Eine Harmonie zwischen den beiden Partnern kann nur entstehen, wenn es auch dem Menschen gelingt, sich zu entspannen und der Situation ganz hinzugeben. Der Hund lässt sich nicht zur Ruhe zwingen und reagiert sehr feinfühlig auf die Stimmung des Menschen. Sein Verhalten ist wie ein Spiegel der Seele seines Gegenübers.
Um ein optimales Resultat bei einer solchen Therapie zu erzielen, empfiehlt es sich, nach ausgiebigen Ruhephasen auch immer wieder ganz ruhige Spaziergänge in der Gruppe zu machen. Dabei sollen die Hunde keinesfalls in wildem Spiel herumtollen, sondern die vertrauensvolle Ruhe auch in der Bewegung bewahren können. Dieser Wechsel von Ruhe und Bewegung wirkt sich sehr positiv auf die Stimmung des Hundes aus.
Eine Desensibilisierung kann nur dann wirkungsvoll sein, wenn sie im Freien durchgeführt wird, wo der Hund mit sämtlichen Außeneinflüssen fertig werden muss. Eine Beruhigung im Haus macht wenig Sinn, obwohl er sich drinnen durchaus auch entspannen könnte. Draußen würde er dadurch aber seine Angst nicht ablegen können, weil sich territoriale Erfahrungen auf Außenreize nicht auf außerterritoriales Verhalten verlagern lassen.

Belastungen durch akustische Reize überstehen

Über längere Zeit hinweg werden die Teilnehmer des 1. August-Workshops in der beschriebenen, ruhigen Art mit ihren Tieren arbeiten und sie immer wieder durch Bewegungselemente desensibilisieren. Wenn die Dämmerung hereinbricht wird es besonders spannend – das Highlight naht. Auf engem Raum sitzen die Menschen am Boden und konzentrieren sich dabei intensiv auf ihre Hunde, die bei ihnen liegen. Der Eindruck entsteht, als würden Mensch und Tier die Situation gleichermaßen genießen und sie tun es auch. An diesem Ruhezustand wird sich auch nichts mehr ändern, wenn die ersten Kracher ertönen und Raketen in den Himmel steigen. Die Ruhe und Gelassenheit ist mittlerweile so groß, dass auch einige Hundehalter ihre Müdigkeit nicht mehr verbergen können. Das konzentrierte Sitzen am Boden kann ungemütlich und anstrengend sein. Ausharren wird dann für den einen oder anderen zur Geduldsprobe. Nachdem die letzten Feuerwerksraketen erloschen sind, werden die Hunde ruhig und entspannt ins Auto gebracht. Die Hundehalter genießen nun ein festliches Abendessen. Im Anschluss wagen wir dann noch eine Abschiedsrunde mit den Hunden zusammen. Ein langer, intensiver und eindrucksvoller Tag neigt sich dem Ende zu. Ein neuer gangbarer Weg, wie Hunde erfolgreich desensibilisiert werden können, wird den Teilnehmern in schöner Erinnerung bleiben.

Gruppendynamik
  • 50 Teilnehmer
  • 62 Hunde
  • 03 Hunde von Hans Schlegel für Desensibilisierungszwecke
Voraussetzung für die Teilnahme 2018

Pathologische Abklärung durch Fachtierarzt

Ursachen und Wesensanalyse bei Hans Schlegel

 

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