Reizregulierung (Formales Lernen) Teil 1

Abruf aus allen Reizsituationen als motiviertes Spiel, kurz Abruf aus dem Spiel

Zugegeben, die Bezeichnung „Abruf aus dem Spiel“ kann irreführend sein, weil sie auf den ersten Blick vermuten lässt, dass damit das erfolgreiche Zurückrufen des Hundes aus einem ausgelassenen Spiel mit Artgenossen gemeint ist – ein Wunschziel, das viele Hundehalter gerne erreichen möchten. Das Lernziel „Abruf aus allen Reizsituationen als motiviertes Spiel“ ist jedoch ein technisches Trainingselement, das nichts mit dem Spiel mit Artgenossen zu tun hat, wohl aber die Beziehung und das Vertrauen einer Mensch-Hund-Partnerschaft sehr gut veranschaulicht und sich bei einem seriösen Trainingsaufbau durchaus auch positiv auf den Rückruf aus einem Spiel mit Artgenossen auswirken kann.

Die nachfolgende detaillierte Beschreibung des Ablaufs verdeutlicht, welche Anforderungen an Mensch und Hund gestellt werden. Der formale Lernschritt „Abruf aus Reizsituationen als motiviertes Spiel“ setzt bei beiden Partnern eine hohe Konzentrationsfähigkeit, viel Geschick und ein gutes Reaktionsvermögen voraus. Ist das Team nicht schon bestens aufeinander eingestimmt und das Soziale Lernen als Grunderziehung noch nicht abgeschlossen, sollte der Lernschritt nicht trainiert werden, denn zu schnell könnten sich Fehler einschleichen, sogenannte „Brückenkonflikte“ wären die Folge.

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Lernziel
Mit einer intensiven Animation wird der Hund in Spiellaune gebracht. Das Interesse des Hundes soll auf den an der rechten Schulter erstellten Spielgegenstand fixiert werden. Eine kurze, motivierende Spielphase, die mit freudiger Stimme unterstützt wird, bringt den Hund in Spannung, weckt seine Aufmerksamkeit und seinen Beutetrieb. Durch die gefestigte Grunderziehung genügt dem Hund eine Motivationszeit von wenigen Augenblicken, um sich sofort auf die vor ihm liegende Arbeit zu konzentrieren. Während dieser kurzen Motivationseinheit wird dem Hund der Gegenstand nicht überlassen, um seine positive Erwartungshaltung weiter zu steigern.

Die Einstiegsphase beginnt und endet in der korrekten Grundposition. In der nun folgenden Ausführung des Lernziels achtet der Hundehalter darauf, dass er zwischen jeder seiner Handlungen eine Wartezeit von fünf Sekunden einhält.

Der „Abruf aus allen Reizsituationen“ als motiviertes Spiel beginnt in der korrekten Grundstellung
Der Hundehalter geht zehn Meter nach rechts, wobei sein Hund ruhig am Ausgangspunkt sitzen bleibt. Mit dieser Übung kann zugleich geprüft werden, ob der Hund das ruhige Sitzen trotz hoher Erwartungshaltung konfliktfrei und richtig verknüpft hat.

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Nachdem der Hundehalter den Spielgegenstand rund zwanzig bis dreißig Meter weit geworfen hat, geht er zurück zu seinem Hund, der immer noch ruhig sitzt und sich auf seinen Halter konzentriert. Aus dieser Position wird der Hund jetzt mit dem Kommando „Lauf“ freigegeben und in die Richtung des Gegenstands losgeschickt. Ohne zu zögern, rennt der Hund auf die Beute zu. Nachdem er zehn Meter zurückgelegt hat, erfolgt das Kommando „Platz“. Der Hund unterbricht sofort seinen Lauf und legt sich hin. Er hat durch seine fundamentale Erziehung gelernt, dass dieses Abbruchsignal in jedem Fall auszuführen ist, auch wenn sich die Beute in unmittelbarer Reichweite befindet oder noch bewegen sollte. Er ist also in der Lage, seine Triebe zu koordinieren und durch die verbale Unterstützung zuverlässig zu kontrollieren. Er vertraut der Führung seines Halters.

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Der Hundehalter lässt seinen Hund sodann im „Platz“ liegen, geht alleine auf den Spielgegenstand zu, nimmt ihn auf, erstellt ihn an der rechten Schulter und geht zurück zu seinem Hund. Dieser verhält sich auf seinem Platz immer noch ruhig und wartet, bis er im Sitz angenommen, angeleint und ruhig wegführt wird.

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Komfort-Insel: In der Ruhe liegt die Kraft.

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