Welpen-Erziehung Teil 1

Vor kurzem rief eine Dame bei Hans Schlegel auf dem Wolfsprung an und klagte völlig aufgelöst, dass ihr zehn Wochen alter Welpe sie, wann immer er könne, beiße. Die gute Frau hatte alles befolgt, was ihr gesagt worden war: Sie hatte eine Woche im Schlafsack auf dem Boden verbracht, damit sich der Kleine nicht allein fühlte. Bereits in der zweiten Nacht hatte dem kleinen Hund diese Nähe nicht mehr gereicht, und das Spiel endete im Schlafsack. Seit dieser Zeit fordert der Welpe, wann immer er Lust hat, seine Halterin auf, etwas mit ihm zu unternehmen – mit Erfolg. Nun ist sie sein Spielball – und wird auch entsprechend von ihm behandelt.

Sie schilderte die Situation so:

„Also kurz zu unserem Welpen: Es ist ein Border Collie-Mix-Rüde, jetzt zehn Wochen alt. Wir haben ihn schon seit zwei Wochen zu Hause. Uns wurde gesagt, dass wir erst in die Welpenspielgruppe gehen dürfen, wenn er zwölf Wochen alt ist. Nun das Problem – oder auch natürliches Verhalten? Jedes Mal, wenn wir Gassi gehen, läuft er anfangs ganz normal neben uns her, meist ohne Leine, da wir in der Nähe eines Felds wohnen und er sich mit Leine oft zu gehen sträubt. Wenn wir irgendwann den Rückweg antreten, läuft er stets vor mich und beißt mir in den Schuh, in die Wade oder zieht an meinem Hosenbein. Er beißt mir bei jeder Gelegenheit sofort in die Hände, auch wenn ich ihn nur liebkosen oder streicheln möchte. Ich kann mir vorstellen, da er ja ein Hütehund ist, dass er das als natürliches Verhalten mitbekommen hat und es ihm abgewöhnt werden muss. Aber ich weiß zur Zeit nicht, wie ich das bewerkstelligen soll. Es ist echt nicht toll, seinen Hund vor sich her zu stupfen, bloß weil er nicht laufen will. Ich nehme ihn dann meist an die Leine und halte ihn damit von mir weg, doch dann beißt er wie verrückt in die Leine. Nach ein bis zwei Minuten gibt er kurzzeitig auf, fängt aber bald wieder damit an. Das Schlimme daran ist, dass es jeden Tag heftiger wird, was mich zunehmend ratloser macht.

Ein weiteres Problem ist, dass er einfach noch nicht hören will. Wir haben schon ein paar Mal mit ihm das ,Komm‘ geübt, er befolgt es auch, aber sobald er abgelenkt ist oder keine Lust mehr hat, macht er, was er will. Wie kann ich da weiter vorgehen? Was gibt es für Methoden, ihm das beizubringen – oder hilft da nur ständiges Training?
Wenn er etwas macht, das er nicht darf, dann sage ich laut ,nein‘. Manchmal bellt er mich daraufhin an. Kann ich ihm das auch abgewöhnen?
Für Hilfe wäre ich sehr dankbar, denn ich bin mit meinem Latein ziemlich am Ende und habe in der Literatur nicht wirklich Lösungen für meine Probleme gefunden.“

Das Verhalten von Hunden ist das Ergebnis des „Dialogs“, den wir mit ihnen führen

Um es vorweg zu sagen: Hier läuft noch ziemlich alles in die falsche Richtung, was nur falsch laufen kann.

Nachdem sich die verzweifelte Hundehalterin etwas beruhigt hatte, wurde ihr erklärt:

„Aus menschlicher Sicht sind Ihre Bemühungen völlig nachvollziehbar, nur kann ein Welpe – als sogenannter Beutegreifer – diese „Dauerbetreuung“ nicht verstehen oder gar umsetzen. Bei Ihnen findet momentan ein permanentes Gegeneinander und kein Miteinander statt.“

Ihr wurde empfohlen, sich als Erstes Gedanken über ihr Ziel zu machen und sich klar zu werden, wie sie sich das Zusammenleben mit ihrem Hund vorstellt. Dazu wurden ihr folgende Fragen gestellt:

„Was macht Ihnen Freude, wenn Sie mit Ihrem Hund draußen in der Natur spazieren gehen? Was ist Ihnen wichtig, wenn Sie sich mit Ihrem Hund beschäftigen? Wollen Sie einen angenehmen, ruhigen und gelassenen Begleiter, der auf Sie achtet und auf Sie hört? Oder wollen Sie einen Hund, der nur herumtoben will, Sie permanent auffordert, anspringt und beißt, der sich wie ein Rüpel benimmt, so wie wir es von Hundewiesen und Hundetreffs her kennen?“

Das sind die ersten Entscheidungen, die ein Hundehalter zu treffen hat. Erst wenn er ein klares Ziel vor Augen hat und sein Hund gut sozialisiert im Umgang mit Mensch und Umwelt ist, folgen sinnvollerweise als zweiter Schritt Überlegungen dazu, was aus dem Hund einmal werden soll. Wer als Ziele gleich Agility, Treibball, Dogdancing oder Clickertraining angibt, übersieht, das Lernen bereits jetzt beginnt und nicht erst in der Hundeschule. Sozialisieren heißt, jeden Tag daran zu arbeiten, und nicht nur einmal wöchentlich in der Hundeschule. Es ist sehr wichtig, dass zuerst die Mensch-Hund-Beziehung aufgebaut wird, und zwar so lange, bis sie wirklich verankert ist.

Wichtige Hilfestellungen

Der Weg, ein harmonisches Miteinander von Mensch und Hund aufzubauen, zu fördern und zu verankern, besteht aus drei Etappen.

Die erste Etappe, die Sozialisierung, die heute beschrieben wird, nimmt ungefähr drei bis vier Wochen in Anspruch und umfasst folgende Themenbereiche:

Das Inseltraining, damit der Hund Aussenreize selbständig neutralisieren kann

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