Welpen-Erziehung Teil 2

Einem Welpen sollten nur die Zugeständnisse in seinem Verhalten gemacht werden, die auch bei einem erwachsenen Tier akzeptiert werden, und zwar allein zum Wohle des Hundes, denn alles, was er nicht kennt, wird er auch nicht vermissen. Neben dem Aufbau von Vertrauen und der Einführung der Hausordnung kann in der achten bis zwölften Lebenswoche schrittweise damit begonnen werden, den Welpen an das Alleinsein zu gewöhnen. Hat er im Vorfeld den ihm zugewiesenen Platz akzeptiert und fühlt sich dort wohl und geborgen, wird ihm dieser Lernprozess nicht allzu schwer fallen. In der Ausgabe 02/11 des Schlegel Magazins wurde unter dem Thema Tischarbeit bereits ausführlich beschrieben, wie einem Welpen erfolgreich und zuverlässig die Positionen Sitz, Platz und Steh auf dem Trainingstisch und das Wartenkönnen beigebracht werden. Sobald der Welpe diese Lernziele auf dem Tisch erreicht hat, wird mit der Bodenarbeit begonnen. Als Hilfsmittel werden eine fünf Meter lange Welpenleine und eine Decke für die Geruchsidentifikation in der Freiablage benötigt.

Die Bodenarbeit

Das wichtigste Element der Bodenarbeit besteht aus der Freiablage des Welpen und dem sicheren Rückruf. Gleichzeitig wird der Welpe auf den Zischlaut sensibilisiert. Das Ziel dieser Freiablage ist, dass der Welpe ruhig auf seiner Decke verharrt – auch dann, wenn andere Artgenossen ihren Aktivitäten nachgehen. In dieser sehr wichtigen Ausbildungsstufe eines Welpen, die höchstens eine Woche Zeit in Anspruch nimmt, soll er keinen ausgelassenen Spielkontakt zu anderen Hunden haben. Vor allem Welpenspielstunden mit einseitiger Artgenossenprägung können in dieser Phase einen größeren Schaden anrichten, als dass sie Nutzen bringen. Negative Erlebnisse mit anderen Hunden sollten jetzt möglichst vermieden werden. Das Lernpotenzial des Welpen ist in dieser Phase mit dem beschriebenen Aufbau der Beziehung zwischen Mensch und Hund mehr als ausgeschöpft.

Die Nachprägung auf Artgenossen

In der vierzehnten bis zur sechzehnten Lebenswoche kann mit der gezielten Nachprägung auf Artgenossen begonnen werden. Es ist wichtig, dass der Welpe mit einem ruhigen und sehr folgsamen Junghund in Kontakt gebracht wird. Dieser Junghund im Alter von bis zu 15 Monaten sollte perfekt im Rückruf ausgebildet sein, damit der Welpe keine negativen Erfahrungen machen muss.

Und erst danach sollte – nach kritischer Suche – eine gute Welpenschule besucht werden. Welpenkurse müssen von ausgewiesenen Fachkräften geleitet werden, die es verstehen, erzogene, erwachsene Junghunde mit in die Ausbildung einzubeziehen. Vermieden werden sollten alle Welpenschulen, die nur das sinnlose Herumtoben fördern und einen „Kaffeechränzli“-Eindruck hinterlassen. Spätestens im Alter von 10 Monaten holen ansonsten die gemachten, einseitigen Erfahrungen den Hundehalter in großer Nüchternheit zurück, weil sein Hund nur noch spielen will, wenn er Artgenossen sieht. Ein weiterer wesentlicher Anhaltspunkt für eine gute Hundeschule ist, dass der Hundehalter in den Welpenstunden als Mensch betreut wird. Auf keinen Fall sollte der Hund mit Wurst gelockt und bestochen werden. Die Persönlichkeit und Hingabe des Hundehalters müssen jetzt greifen können. Wurst wird erst in der Konditionierungsphase verwendet, nie im Beziehungsaufbau.

Durch Beobachtung und Nachahmung übernehmen die Welpen die gewünschten Verhaltensformen von den erwachsenen Tieren, sofern diese gut erzogen sind. Nun darf auch wieder gezielt mit wesensstarken Artgenossen gespielt werden, denn der Welpe ist ruhiger geworden und weiß, wo er hingehört, wo er Führung, Vertrauen und Sicherheit findet. Sein Mensch ist zu seinem fundamentalen Anker geworden, und das ist genau das Ziel. Keinesfalls werden die Welpen im Spiel sich selbst überlassen. Der Kursleiter beobachtet die Spiele der Kleinen und greift sofort ein, wenn es die Situation erfordert.

Es lohnt sich, schon vor dem Kauf eines Hundes nach einer professionellen und kompetenten Welpenschule zu suchen. Weder die Kosten des Kurses noch die Entfernung sollten bei der Wahl ausschlaggebend sein. Wichtig ist, sich von der Qualität zu überzeugen, denn der Preis, der bei einer falschen Wahl später gezahlt werden muss, kann sehr hoch sein.

Das ruhige Sitzen

Ein folgsamer und gelassener Hund ist der Wunsch fast aller Hundehalter. Um Ruhe, Gelassenheit und Unbefangenheit als gesetztes Ziel erreichen zu können, muss der Hund in der gleichen Form auch lernen dürfen – souverän und vorausschauend. Das ruhige Sitzen unter verschiedensten Umwelteinflüssen ist das erste und wichtigste Lernziel für eine konfliktfreie Zukunft. Oft kann bei Welpen beobachtet werden, dass sie bereits ab der vierten Lebenswoche in der Lage sind, minutenlang in sitzender Position einem Käfer nachzuschauen und seine Bewegungen genau zu beobachten. Leider wird dieses „ruhige Sitzen“ nach der Übernahme des Welpen nicht mehr gepflegt, und der kleine Hund wird von Tag zu Tag hektischer. Beim ruhigen Sitzen wird ihm vermittelt, dass alles Interessante und Gute auf ihn zukommt und es keinen Grund gibt, nach vorne zu stürmen.

In der Familienhundeausbildung ist das ruhige Sitzen deshalb so bedeutsam, weil sich aus dieser Ruhe heraus alle nachfolgenden Lernziele ableiten – und mit dieser Übung kann bereits mit dem Welpen begonnen werden. Je früher, desto besser. Beim ruhigen Sitzen muss der Hund in der Lage sein, solange an dem ihm zugewiesenen Platz sitzen zu bleiben, bis er vom Partner Mensch wieder abgeholt wird – unabhängig von den Außenreizen, die auf ihn einwirken. Es scheint so einfach zu sein, das Lernziel zu erreichen, und doch ist es harte Arbeit, denn es setzt seitens des Hundehalters voraus, dass er selbst konzentriert, beharrlich, beständig, gelassen und innerlich ausgeglichen ist. Die sichere Beherrschung des ruhigen Sitzens erleichtert alle weiteren Lernziele, die es braucht, um einen stressfreien Familienhund als Begleiter zu erziehen. Darüber hinaus kann das ruhige Sitzen in allen erdenklichen Alltagssituationen eingebaut werden: zuhause, vor dem Fressen oder Spaziergang oder auch wenn mit dem Hund aus dem Haus gegangen oder nach Hause gekommen wird. Wenn der Hundehalter mit Mitmenschen ein Gespräch beginnt und seinen Hund zuerst sitzen lässt, ergeben sich täglich immer neue Herausforderungen, das ruhige Sitzen solange zu fördern, bis das Lernziel sauber verankert ist.

Das korrekte Aussteigen aus dem Fahrzeug

Vor dem Beginn einer Trainingseinheit wird sich ihr Ablauf genau überlegt, sich vorgestellt, wie dieser korrekt auszusehen hat und welches Verhalten vom Hund konkret erwartet wird. Als ganz alltägliches praktisches Beispiel für das ruhige Sitzen dient das korrekte Aussteigen aus dem Auto (diese Übung kann natürlich auch von der Haustür aus gestaltet werden).

Folgende sechs Stufen sind zu beachten:

Stufe 1: Der Hundehalter steht vor der Heckklappe und wartet fünf Sekunden. Die Heckklappe wird geöffnet und gleichzeitig wird der Hund ins Sitz kommandiert. Vor der geöffneten Tür bleibt der Hundehalter weitere fünf Sekunden ruhig stehen.

Stufe 2: Nun öffnet der Hundehalter die Hundebox, tritt zwei Meter zurück und zählt die nächsten fünf Sekunden. Der Hund bleibt ruhig sitzen. 

Stufe 3: Der Hundehalter leint seinen Hund an, wartet fünf Sekunden und gibt dann das Kommando „Komm“.

Stufe 4: Sobald der Hund aus dem Auto springt, erfolgt unverzüglich das Kommando „Sitz“, das der Hund anstandslos ausführt und dabei Blickkontakt zum Hundehalter sucht. Eifriges Umherschnüffeln, lautstarkes Bellen, verlegenes Kratzen am Ohr oder wohliges Recken und Strecken sind in diesem Moment nicht erwünscht. 

Stufe 5: Sitzt der Hund, wiederholt der Hundehalter seinen Sitz-Befehl und umkreist anschließend sein Auto einmal. Während dieser Zeit hat der Hund still sitzen zu bleiben.

Stufe 6: Nun schließt der Hundehalter die Autotür, geht zu seinem Hund, wartet fünf Sekunden, nimmt die Leine in die Hand, wartet wieder fünf Sekunden, marschiert dann mit ihm auf Kommando los und sucht einen geeigneten Platz, an dem sein Hund seine Geschäfte verrichten kann. Bevor der Hund abgeleint wird, muss er wieder fünf Sekunden ruhig sitzen.

Das richtige und ruhige Aussteigen aus einem Auto ist eine unspektakuläre Übung, die einer realen Alltagssituation entspricht. Das Lernziel ist dabei ganz klar formuliert: Der Hund hat solange still im Auto sitzen zu bleiben, bis er vom Hundehalter zum Aussteigen aufgefordert wird. Eine kritische Einstellung zu den eigenen Leistungen und denen des Hundes verhilft dem Hundehalter zu einer schnelleren Zielerreichung. Nach jeder Stufe fragt er sich, ob sein Hund und er sie korrekt meistern konnten, und geht erst dann einen Schritt weiter, wenn er die Frage für beide bejahen kann. Treten erste Schwierigkeiten auf und verhält sich der Hund nicht so wie gewünscht, beginnt die ganze Übung wieder am Anfang bei Stufe eins. Das kann zur Folge haben, dass der Hundehalter eine ganze Weile damit verbringt, seinem Hund das korrekte Aussteigen aus dem Auto beizubringen. Bleibt er jedoch hartnäckig und wiederholt diese Übung, bis sein Hund sie zu seiner vollen Zufriedenheit ausführt, hat er sein Ziel erreicht und der Hund etwas dazu gelernt.

Die Wartezeit von fünf Sekunden zwischen den einzelnen Handlungen bringt die nötige Ruhe und Gelassenheit in eine Übung und verbessert zudem die Konzentrationsfähigkeit beider Partner – ganz nach dem Motto: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Der Hundehalter kann in dieser Zeit seine Körperhaltung und Emotionen kontrollieren, die Reaktion seines Hundes beobachten und sich auf den weiteren Ablauf vorbereiten. Beim Hund fördern diese wenigen Sekunden die positive Erwartungshaltung und das Vertrauen in die Führung. Er spürt, dass er etwas korrekt ausgeführt hat, und steigert sich in eine positive Erwartungshaltung zu seinem Halter.

Das Beute-tragen-Lassen

Das Jagen von flüchtenden Objekten ist für den Hund ein natürliches Verhalten, für seinen Halter und dessen Umwelt stellt es jedoch ein störendes Verhalten dar. Ziele einer Umlenkung unerwünschten Jagdverhaltens sind, die Jagd in Form einer Kooperation durch gemeinsame Apportierspiele zu fördern und das Jagen nach lebenden Objekten zu unterbinden. Das Beute-tragen-Lassen bedeutet zudem insbesondere für den Welpen, dass er sich mit seinem Halter auseinandersetzt. Schließlich werden mit dem Tragen einer Beute auch Fremdreize neutralisiert. Am besten eignet sich als Beute ein Stück Schlauch, das dem Hund auf dem Spaziergang ab und zu in den Fang gegeben wird, damit er es tragen darf. Durch das Annehmen und Tragen des Schlauchs geht der Hund, selbst wenn er großen Reizen ausgesetzt ist, automatisch Konfliktsituationen aus dem Weg, weil er seine Beute nicht teilen will.

Die Triebe

Triebe sind unbewusste Impulse zu biologisch zweckmäßigen Dranghandlungen und Strebungen, die im Dienste wichtigster Lebensfunktionen stehen und sowohl mit körperlichen als auch mit seelischen Vorgängen verbunden sind. Sie setzen als vitale Triebkräfte das Handeln in Gang und lösen damit das Umweltverhalten aus – oder nicht. Triebe sind angeboren. Es werden folgende Triebe unterschieden:

Der Jagdtrieb ist der Drang, geruchlich oder optisch wahrgenommenes Wild aufzusuchen und zu verfolgen. Er geht auf den Wildhund zurück und wurzelt ursprünglich im Ernährungstrieb.

Der Spürtrieb enthält die Bereitschaft, eine Wild- oder Menschenfährte aufzunehmen, und das Bestreben, diese mit tiefer Nase freudig und ausdauernd zu verfolgen. 

Der Stöbertrieb ist die Eigenschaft, unter Mitbenutzung von Auge und Ohr, ohne Beachtung von Bodenfährten, eine Wild- oder Menschenwitterung in der Luft aufzunehmen und sie mit hoch getragener Nase zu verfolgen.

Der Beutetrieb ist dem Jagdtrieb nahe verwandt. Er beinhaltet das Bestreben, Wild nicht nur zu jagen, sondern auch Beute zu machen, respektive das Wild zu fassen und zu töten.

Der Meutetrieb ist ein ursprüngliches Bestreben unter Artgenossen, sich zu einer Gemeinschaft (Meute) zusammenzuschließen, an die sich jeder Einzelne gebunden fühlt. Beim Haushund können andere Tiere oder der Mensch als Ersatz an die Stelle der Artgenossen treten.

All diese Triebe und Eigenschaften unterstützen das gewünschte Jagen ebenso wie das unerwünschte Nachjagen von Wild, Katzen, Joggern, Radfahrern usw. Das heißt, diese Triebeigenschaften können nicht korrigiert, sondern nur wirkungsvoll und gezielt über entsprechende Lernprozesse umgelenkt werden. Mental wird dem Hund folgendes assoziiert:

Durch eine harmonische Mensch-Hund-Beziehung entsteht gegenseitiges Vertrauen und Respekt.

Das Ausbilden und Vermitteln von klaren Koordinaten durch den Partner Mensch vertieft die Kooperationsbasis.

Durch das Anbieten von gemeinsamen Jagdspielen (Apportier- und Suchspiele) lässt sich das Jagen nach Fluchttieren in den meisten Fällen problemlos umlenken.

Das Lernprogramm

1. Ruhiges Sitzen in allen Situationen. Der Hund muss vor der Begrüßung, vor Streicheleinheiten, vor dem Füttern, vor Reizsituationen und auch vor dem Spielen immer und überall eine bis drei Minuten ruhig sitzen.

2. Reaktionsschärfung auf Kommando. Durch das gezielte Schlauchspiel wird das unerwünschte Jagdverhalten in ein erwünschtes und gemeinsames Jagen nach der Beute umgelenkt und konfliktfrei kanalisiert.

3. Blitzschnelles Platz aus der Bewegung verankert die Lernziele und unterstützt einen Triebabbruch bei unerwünschtem Jagdverhalten.

4. Richtiges Konfrontieren lenkt die Bedeutung des Objektes für den Hund in die gewünschte Richtung. Er verbindet das Objekt mit seinem Halter. Die richtige Ausführung der Konfrontation beinhaltet:

a) Selbsterfahrung
b) kontrollierte Konfrontation
c) gezielte Konfrontation

Bei den Konfrontationen ist es überaus wichtig, dass der Hundehalter gut vorbereitet und unterstützt wird. Hier liegt die Schlüsselstelle zum Erfolg, weil die innere Sicherheit und das eigene Selbstbewusstsein gefördert werden, was wiederum das Verhalten des Hundes steuert. Wenn ein Hund regelmäßig unerwünschtes Jagen zeigt, ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um den Menschen hinter der Leine zu stärken.

Das Apportierspiel

Die meisten Welpen lieben schnelle Apportierspiele. Diese kooperative Zusammenarbeit bereitet ihnen viel Spaß, weil sie verschiedene seiner natürlichen Triebanlagen direkt anspricht. Mit dem Apportierspiel kann der Hund auf eine spielerische, motivierende Weise auf den Rückruf – und die positive Reaktion auf Kommandos generell – sensibilisiert und konditioniert werden. Er lernt, auf das erste Hier-Kommando zu seinem Halter zurückzukommen. Im Alltag ist diese Zuverlässigkeit in jeder Situation von elementarer Bedeutung.

Viele Hunde können durch Apportierspiele sehr gut motiviert werden. Mit dem Hetzen eines Spielzeugs wird ihr Jagdtrieb angesprochen, das Greifen dieses Gegenstandes entspricht ihrem natürlichen Beutetrieb. Ebenso gibt ihnen die Natur vor, eine Beute zum Leader zurückzubringen und sich auf diese Weise in eine natürliche Form der Unterordnungsbereitschaft mit positiver Erwartungshaltung zu begeben. Apportierspiele sind genau auf diesen Anlagen aufgebaut und zählen zu den wichtigsten Auslastungsmodellen eines Hundes. Der Motivationsgegenstand muss gut geworfen werden können. Als Beute eignen sich vor allem der Boudin (Beißwurst) oder Schlauchstücke von einer Länge von vierzig Zentimetern. Beide Gegenstände sind weich, können leicht umfasst werden und werden von den meisten Hunden gerne angenommen. Wichtig ist, dass der Hund bereits einen Bezug zu diesem Spielzeug hat. Sein Interesse dafür muss schon geweckt worden sein.

Apportierspiele brauchen Temperament. „Es gibt für einen Hund nichts Schlimmeres als einen temperamentlosen Menschen.“

Die korrekte Ausführung

Vor Beginn des Laufspieles werden sechs bis acht Boudins/Schläuche bereitgelegt. In einer Entfernung von zehn Metern zu diesen Hilfsmitteln beginnt die Ausführung in der korrekten Grundstellung. In dieser Position wartet der Hundehalter fünf Sekunden, baut Spannung auf und kommandiert seinen Hund dann ins Platz. Danach wartet der Hundehalter wieder fünf Sekunden, bevor er weiterarbeitet. Er nutzt diese Zeit, um sich selbst auf das bevorstehende Spiel zu konzentrieren, überprüft seine gerade Körperhaltung und richtet den Blick nach vorne. Dann geht er in Blickrichtung zehn Meter zu den am Boden liegenden Boudins/Schläuchen. Der Hund bleibt im Platz liegen. Sollte er aufstehen, wird der ganze Ablauf nochmals von vorne begonnen. Die beiden Partner stehen sich jetzt gegenüber, gespannt blickt der Hund zu seinem Halter. Dieser nimmt einen Boudin/Schlauch vom Boden auf, dreht sich um 90 Grad nach rechts, baut erneut Spannung auf, schlägt mit dem Gegenstand auf sein rechtes Bein und wirft ihn aus. Diese Handlung unterstützt er mit dem animierenden Trieblaut „Lauf“. In dem Moment, in dem der Hundehalter den ersten Gegenstand wirft, darf sich der Hund aus dem Platz lösen und die Beute holen. Derweil nimmt der Hundehalter den nächsten Boudin/Schlauch vom Boden auf. Sobald der Hund den ersten Gegenstand gefasst hat, wird er stimmlich animiert, mit der Beute zurückzukommen. Dieser Rückruf wird mit dem zweiten Boudin/Schlauch unterstützt. Nach einem erneuten Schlag auf den Oberschenkel dreht der Halter seinem Hund den Rücken zu und wirft den zweiten Gegenstand in die Gegenrichtung. Der Hund wird mit dem Trieblaut „Lauf“ wieder dazu animiert, die nächste Beute zu holen.

Dieser Ablauf wiederholt sich sechs bis acht Mal – abhängig davon, wie viele Gegenstände bereitgelegt worden sind. Nachdem der Hund den letzten Gegenstand gefasst hat, ist es sehr wichtig, dass sich der Halter ihm in Laufrichtung entgegenstellt und nun das klare und bestimmte Rückrufkommando „Hier“ erfolgt. Hat sich der Hund bis auf etwa zwei Meter genähert, macht der Halter mit dem rechten Bein einen Schritt nach vorne und gibt ihm das Platz-Kommando. Der Hund legt sich sofort hin und lässt die Beute ohne einen weiteren Befehl aus. In dieser Position kann der Hund die Spannung noch immer halten und sucht den Blickkontakt des Halters. Dieser wartet fünf Sekunden, nimmt dann die Beute auf und hält sie an seine rechte Schulter. Nochmals gibt er seinem Hund das Kommando „Platz“ und beginnt, die Boudins/Schläuche einzusammeln. Sobald er alle zusammengetragen hat, legt er sie zur Seite und geht von vorne direkt zu seinem Hund in die Grundposition, in der er ihm das Sitz-Kommando gibt. Anschließend führt er ihn ruhig weg und beendet so die Arbeit.

Das richtig aufgebaute Spiel

Hat der Hund das Apportierspiel richtig verstanden, ist es eine große Freude, ihm in der Bewegung zuzusehen. Seine ganze Kraft und Konzentration liegt dann in diesem Spiel. Im Aufbau wird nicht jeder Hund der Beute sofort nachjagen. Meist laufen Hunde zwar zum ersten Gegenstand hin, verlieren dann aber schnell das Interesse und wenden sich ab. Dennoch behält der Halter vor seinem geistigen Auge das Bild des rennenden und hochmotivierten Hundes. Das hilft ihm, seinem Hund die eigene Begeisterung für das Spiel zu vermitteln. Kommt es soweit, dass der Hund nur bis zum ersten Gegenstand läuft und nicht mehr zurückkehrt, dreht der Halter ihm den Rücken zu und beginnt, mit viel Motivation und Animation sein eigenes Spiel zu spielen. Er wirft einen Boudin/Schlauch nach dem anderen von sich nach vorne weg, bis das Interesse des Hundes wieder geweckt und er an seinem Halter vorbeigelaufen ist. Erst dann dreht sich dieser in die Gegenrichtung und wirft den nächsten Boudin/Schlauch. Natürlich kann es durchaus sein, dass alle Boudins/Schläuche aufgebraucht sind, ohne dass der Hund erneut für das Spiel gewonnen werden konnte. In diesem Fall dreht sich der Halter nach dem letzten Wurf zu seinem Hund ein, kommandiert ihn ins Platz, sammelt alle Spielgegenstände ein und beginnt mit dem Ablauf einfach wieder von Neuem.

Läuft der Hund nicht einmal bis zum ersten Boudin/Schlauch, wird ein Gegenstand nach dem anderen, unterstützt durch Trieblaute, in die Anfangsrichtung geworfen, und zwar so lange, bis der Hund einen Boudin/Schlauch greift. Danach wird das Spiel, wie beschrieben, fortgesetzt. Um den Hund am Anfang zu unterstützen, werden die Boudins/Schläuche einfach weniger weit geworfen. Je nach Ausprägung des Beutetriebs kann es vorkommen, dass der Ablauf dieses Spiels bei einem Team anders aussieht als bei anderen. Der Unterschied liegt meist im Tragen der Beute. Während einige Hunde nur bis zum Spielzeug hin rennen, ohne es aufzunehmen, packen andere das erste Spielzeug und rennen damit hin und her, ohne einen Beutewechsel vorzunehmen. Korrekt ist es, wenn der Hund den Gegenstand aufnimmt, ihn mindestens bis auf die Höhe des Halters trägt und ihn vor dem Greifen der nächsten Beute ohne zusätzliches Kommando auslässt.

Haben Mensch und Hund das Apportierspiel verinnerlicht, wird es meist mit Begeisterung ins Training integriert, denn es bietet einen wertvollen Gegenpol zu ruhigen Elementen. Bewegung entlastet und befreit den Hund. Er ist ausgeglichen und arbeitet freudig mit.

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